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Blickpunkt der aktuellen Ausgabe

Der Blickpunkt ist ein Artikel, welcher in jeder Ausgabe erscheint. Er soll einen spannenden Einblick in die Region bieten.

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100 Jahre Entwicklung der Geschichte der Fotografie (1826 – 1926)

Das Dorfmuseum Jegenstorf präsentiert eine Ausstellung über die Fotografie von den Anfängen bis zur Gegenwart in einer Triologie. Teil 1 beleuchtet 100 Jahre Entwicklung der Geschichte der Fotografie von 1826 bis 1926 mit historischen Aufnahmen von Jegenstorf. Die Ausstellung des ersten Teils über die Entstehung der Fotografie ist noch bis 11. Oktober 2026 im Dorfmuseum Jegenstorf in der Schloss Schüür offen. Die nächsten beiden Jahre werden als Fortsetzung die Folgeausstellungen mit der Geschichte der Fotografie und des Films von 1920 bis zur Gegenwart gezeigt werden.
Wie die Ausstellung über die Fotografie entstand
Durch eine Schenkung von Erich Ramel, Luterbach, erhielt das Dorfmuseum viele antike Fotoapparate. 2021 konnte bereits ein Teil dieser Apparate in den Räumen des Rotonda in Jegenstorf ausgestellt werden. Die Ausstellung war ein grosser Erfolg und legte den Grundstein für eine grössere Ausstellung.

Recherchen im Netz zeigten auf, dass 1826, vor genau 200 Jahren, die erste haltbare Fotografie entstand. Die Ausstellung fokussiert sich vor allem auf die Apparate und die angewendeten Techniken. Sie wurde in eine Triologie aufgeteilt. Im 2026 wird das Thema «Von der Photoplatte – Rollfilm», im 2027 «Vom Rollbild bis zum Kleinbild- und Diafilm» und im Jahr 2028 schliesslich «Von Super 8 bis zum Digitalfilm» gezeigt.
Die interessante Ausstellung im Dorfmuseum zeigt Fotokameras aus den ersten 100 Jahren (1826-1926). Darunter befinden sich auch verschiedene Modelle der Camera obscura, eine einfache Holzkiste mit einer Linse, mit der durch ein Loch ein auf dem kopfgestelltes und seitenverkehrtes Bild auf die Wand projiziert wurde. Daneben sind wunderschöne Exemplare der Laterna magica zu sehen, Projektionsgeräte, in die handbemalte Glasscheiben eingelegt wurden. Sie waren vom 17.-18. Jahrhundert in Europa bekannt und entwickelten sich im 19. Jahrhundert zu einem Massenmedium. Damals als Projektionskunst benannt, würde man diesen Apparat heute als Vorläufer des Diaprojektors bezeichnen. Dem Dorfmuseum wurden diese einzigartigen Apparate aus einer Privatsammlung für die diesjährige Ausstellung zur Verfügung gestellt.
Simon Schöni, Jegenstorf (www.fotomedia.ch) hat viel Zeit aufgewendet, historische Aufnahmen von Personen und Gebäuden von Jegenstorf und Umgebung vor 1926 auszustellen. Die sehenswerten Bilder zeigen den Alltag, aber auch historische Aufnahmen. Wer weiss, vielleicht erkennen Sie eine Person oder entdecken sogar einer ihrer Vorfahren. Der Verein freut sich, Namen der abgebildeten Menschen zu finden und mehr über sie zu erfahren. Diese Nebenausstellung ist bis 2028 zu sehen.
Als weitere Nebenausstellung wird auch das Geschirr mit seiner Geschichte aus der Region präsentiert. Es werden verschiedene Geschirrprodukte aus Porzellan, Emaille und Steingut gezeigt. Den Besuchenden ist danach klar, was früher ein «Häftlimacher» war. Bekannt für die Geschirrherstellung war in der Region die Familiendynastie Häberli. Sie besassen Töpfereien in Jegenstorf, Bäriswil, Münchenbuchsee und Herzogenbuchsee.

Start der Fotografie und deren Entwicklung bis 1926

Die allererste dokumentierte, dauerhafte und lichtbeständige Fotografie auf dieser Welt entstand im Jahr 1826 auf dem Gutshof des französischen Erfinders Joseph Nicéphore Niépce in Saint-Loup-de-Varennes in Frankreich. Das war damals eine weltweite Sensation. Auf dem Foto ist der Blick aus einem Arbeitszimmer nach draussen zu sehen und trägt den Titel „Blick aus dem Arbeitszimmer in Le Gras“. Bereits 1801 widmete sich Josepf Niépce zusammen mit seinem Bruder Claude mechanischen und chemischen Arbeiten. Sein Forschen und Experimentieren für die Fotografie begannen erstmals im Jahr 1816. Es gelang ihm auf Chlorsilberpapier Bilder mit einer Camera obscura zu machen. Die Bilder konnten aber nur kurz festgehalten und nicht fixiert werden.
Anhand eines Kupferstichs des Kardinals Georges d’Amboise schaffte es Niépce bereits im Jahr 1824 das Bild nicht nur zu kopieren, sondern auch zu fixieren. Diese Bild gilt jedoch nicht als erste Fotografie, weil sie nicht mit einer Camera obscura aufgenommen wurde.
Nach weiteren komplexen Experimenten entstand zwei Jahre später die obenerwähnte erste Fotografie. Dafür wendete Niépce ein Verfahren an, das er Heliografie (Sonnschrift) nannte. Er verwendete dafür eine polierte Zinnplatte mit einer Legierung aus Zinn, Blei und Antimon in der Grösse von ca. 20x25 cm. Der Erfinder bestrich die Platte mit einer dünnen Schicht aus Asphalt, der in Lavendelöl aufgelöst war. Dieser spezielle Asphalt härtete aus, wenn das Licht auf ihn traf. Niépce schob die präparierte Platte in eine Camera obscura und richtete sie aus seinem Fenster auf die Gebäude seines Gutshofs. Danach musste er grosse Geduld walten lassen. Die Belichtungszeit dauerte nämlich acht bis zwölf Stunden. Im Vergleich zu heute drückt man kurz auf einen Knopf und innerhalb von Sekunden ist das Foto belichtet und zum Anschauen bereit.
Nach der stundenlangen Belichtung wusch er die Platte mit einer Mischung aus Lavendelöl und Petroleum ab. Erstaunlich, die Stellen, die im Schatten lagen und kein Licht abbekommen hatten, blieben weich und wurden weggewaschen. Die hellen, vom Sonnenlicht getroffenen Stellen waren steinhart geworden und blieben auf der Platte zurück. Das Ergebnis war ein direktes Positiv-Bild, bei dem die erhärteten Asphaltteile die hellen Bereiche (wie die Dächer und Mauern) darstellten und das blanke, dunklere Metall der Platte die Schatten bildete. Da sich die Sonne während der sehr langen Belichtung von Ost nach West bewegte, wurden die Gebäude auf dem fertigen Bild von zwei Seiten gleichzeitig von der Sonne angestrahlt. Dieses Verfahren nannte Niépce Heliografie. Es war der Startschuss zur Entwicklung der Fotografie, die die Welt für immer verändern sollte.
In den ersten Jahrzehnten blieb die Fotografie allerdings eine komplizierte und teure Angelegenheit. Ein Partner von Niépce, Louis Daguerre, verbesserte das Verfahren massiv und erfand 1837 die Daguerreotypie, die er jedoch erst 1839 der Öffentlichkeit vorstellen konnte. Er verwendete glattpolierte Metallplatten, meistens versilberte Kupferplatten. Durch die Verwendung von Quecksilberdämpfen verkürzte sich die Belichtungszeit enorm. Die Aufnahmen zeigten eine seitenverkehrte Abbildung der Motive. Die Bilder wurden gestochen scharf. Jedes Foto war ein Unikat auf einer spiegelnden Metallplatte, Kopien gab es jedoch nicht. Zudem waren die Chemikalien hochgiftig. Wer sich damals fotografieren lassen wollte, musste minutenlang wie versteinert in einer Haltevorrichtung für den Kopf einrasten, um nicht zu verwackeln. Solange Lächeln schaffte niemand, deshalb schauen die Menschen auf alten Fotos oftmals so ernst aus.
Im Jahr 1840 erfand William Henry Fox Talbot die Kalotypie, das war das Prinzip des Negativ-Positiv-Verfahrens. Dadurch wurden Vervielfältigungen der Fotos möglich. Dünnes Schreibpapier wurde mit Silbernitrat und Kaliumiodid lichtempfindlich gemacht in die Kamera eingelegt und belichtet. Das Ergebnis war ein Negativ, bei dem Helles dunkel und Dunkles hell erschien. Der positive Abzug wurde auf ein lichtempfindliches Papier gelegt und nochmals belichtet, wodurch das Motiv umgekehrt war, und ein positives Bild entstand.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde von Federick Scott Archer das nasse Kollodiumverfahren entwickelt und revolutionierte damit die Fotografie. Fotografen konnten nun endlich Negative herstellen und Bilder beliebig oft vervielfältigen. Für dieses Verfahren musste die Fotoplatte noch nass in die Kamera geschoben und sofort nach dem Bildschuss in einer Dunkelkammer entwickelt werden. Was sich damals für Landschaftsaufnahmen schwierig gestaltete. Die Fotografie wurde jedoch deutlich erschwinglicher und schneller.
Richard Leach Maddox erfand 1871 die Gelatine-Trockenplatte. Er beschichtet die Trockenplatte mit einer Silberbromid-Gelatine-Schicht. Fotografen konnten fortan nun beliebig viele Trockenplatten herstellen, ohne dass er sofort in die Dunkelkammer rennen musste. Diese Platten konnten auch industriell vorgefertigt werden. Diese Technik leitete vor allem die Ära der Reisefotografie ein.
Im Jahr 1888 kam die grosse Revolution für die Bevölkerung. Der amerikanische Tüftler, George Eastman brachte den Rollfilm aus Papier und später Zelluloid anstelle der schweren Glasplatten auf den Markt. Er gründete die Firma Kodak und entwickelte eine Kamera, die so einfach zu bedienen war, dass alle sie bedienen konnten. Sein Werbespruch lautete damals: „Sie drücken den Knopf, wir erledigen den Rest.“ Man kaufte die Kamera, knipste hundert Bilder und schickte das ganze Gerät per Post zu Kodak. Dort wurden die Fotos entwickelt, die Kamera neu geladen und alles an den Besitzer zurückgeschickt. Plötzlich war Fotografie keine Hexerei mehr, sondern wurde zum Hobby für alle. Schnappschüsse von Familienfeiern, Haustieren und Ausflügen eroberten die Welt.
Die Kameras wurden immer kleiner. Im Jahr 1925 brachte die deutsche Firma Leitz die legendäre „Leica I“ auf den Markt, die von Oskar Barnack entwickelt worden war. Sie nutzte einen kleinen Kinofilm und passte bequem in die Jackentasche. Fotografen mussten nicht mehr hinter einem riesigen Holzkasten und einem schwarzen Tuch verschwinden. Sie konnten sich frei bewegen, das Leben unbemerkt auf der Strasse einfangen und im Bruchteil einer Sekunde abdrücken.
Innerhalb von nur einhundert Jahren, von 1826 bis Mitte der 1920er-Jahre, wandelte sich die Fotografie von einem chemischen Experiment im Labor zu einem dynamischen Medium, das den Alltag dokumentierte. Sie veränderte die Kunst, schuf den modernen Journalismus und erlaubte es den Menschen zum ersten Mal, ihre eigenen Erinnerungen für die Ewigkeit festzuhalten.
Wer noch mehr zur Geschichte der Fotografie erfahren möchte, wird ein Besuch der Ausstellung von Simone Wälti im Maison de la Lumière in Rosshäusern empfohlen, www.simonewaelti.ch/maison-de-la-lumière.
Besuchen Sie die interessante Ausstellung im Dorfmuseum Jegenstorf in der Schloss Schüür noch bis am 11. Oktober 2026, jeden Sonntag von 14.00-17.00 Uhr. Das Dorfmuseum bietet auch ausserhalb der Öffnungszeiten Führungen für Gruppen, Schulen, Vereine und Interessierte an. Anfragen an info@dorfmuseum-jegenstorf.ch,
www.dorfmuseum-jegenstorf.ch.

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